Moderne Fremdsprachen

An der Theodor-Körner-Schule (TKS) wird das Erlernen von Fremdsprachen in besonderer Weise gefördert. Dies geschieht einerseits durch Schüleraustauschprogramme und / oder projektbezogene Auslandsaufenthalte, andererseits durch die Vorbereitung auf externe Sprachprüfungen in den Fächern Englisch, Französisch und Spanisch. Durch die enge Zusammenarbeit mit den entsprechenden Institutionen haben Schülerinnen und Schüler der Theodor-Körner-Schule die Möglichkeit, an diesen Prüfungen teilzunehmen und sich auf diese Weise ihre Fähigkeiten im fremdsprachlichen Bereich dokumentieren zu lassen.

Mündlichkeit in den modernen Fremdsprachen

Let's talk
- Mündliche Prüfungen als Ersatz einer Klassenarbeit/ Klausur in den modernen Fremdsprachen

„Sprachen sind zum Sprechen da!“ – ein häufig zitierter Satz, dem die meisten Menschen (mit Ausnahme vielleicht der Fans der lateinischen Sprache) nickend zustimmen würden. Dass Schriftlichkeit und schriftliche Formen der Leistungsüberprüfung in der Schule eine lange Tradition und Berechtigung haben, steht natürlich außer Frage. Dennoch kommt die Mündlichkeit in den modernen Fremdsprachen, besonders im Empfinden der Schülerinnen und Schüler selbst, häufig noch zu kurz. Für sie ist „eine Sprache können“ häufig gleichbedeutend mit „eine Sprache sprechen können“. Und nichts ist für Schülerinnen und Schüler motivierender, als im Sommerurlaub in England, Frankreich oder Spanien die erlernte Fremdsprache als lebendig, funktionierend und häufig „viel besser als gedacht“ zu erleben. Es ist daher klares Ziel des Fremdsprachenunterrichts, regelmäßig möglichst authentische Kommunikationssituationen zu schaffen, um den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zu geben, ähnliche Erfahrungen auch in der Schule zu machen. Auch Klassengespräche und Diskussionen finden selbstverständlich in der Zielsprache statt. Hier allerdings wünscht man sich als Lehrerin häufig regsamere Beteiligung. Eigentlich paradox: SuS wollen sprechen (können), tun es aber nicht – oder leider nur vereinzelt.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Unsicherheit und fehlende Routine sind aber sicher Teil davon. Und hier beginnt der Teufelskreis. Denn wer aus genannten Gründen nicht oder nur wenig an Unterrichtsgesprächen teilnimmt, der hat kaum eine Chance, die nötige Sicherheit und Übung in der Mündlichkeit der modernen Fremdsprache zu erlangen. Zusätzlich erschwert wird die Situation durch die leider unvermeidbare Kurs- bzw. Klassenstärke. Gerade SuS, die in der Verwendung der Zielsprache gehemmt sind, trauen sich in Kleingruppen erfahrungsgemäß viel eher zu sprechen als vor der ganzen Klasse. Aber auch wenn wir als Lehrer alles dafür tun, möglichst kommunikationsfreundliche Bedingungen zu schaffen, wird ein Schüler, der sich vielleicht über Jahre maximal in wenigen Sätzen und nur nach Aufforderung durch die Lehrkraft in der Zielsprache am Unterricht beteiligt hat, auch in einer Kleingruppe nicht plötzlich „lossprudeln“, selbst wenn diese Situation regelmäßig angeboten wird.

Zu seiner eventuellen Unsicherheit oder fehlenden Routine gesellt sich nämlich noch eine weitere Tatsache: Er muss nicht. Oder zumindest nicht unbedingt. Natürlich wissen Schülerinnen und Schüler, dass sich ihre Note aus den Klassenarbeiten bzw. Klausuren und der sonstigen Mitarbeit zusammensetzt. Gelernt wird aber zuhause in der Regel nur für den ersten Bereich – und der ist schriftlich. Hier wollen die SuS sich verbessern, denn hier findet – im Verständnis der meisten SuS – die eigentliche, die unmittelbare Leistungsbeurteilung statt.

Auch das Ministerium hat dieses Ungleichgewicht erkannt. „Die Stärkung der mündlichen Ausdrucksfähigkeit ist daher auch ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung des Fremdsprachenunterrichts“, heißt es, denn „mündliche Ausdrucksfähigkeit, Präsentationskompetenz und Diskursfähigkeit haben für die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf Beruf und Studium einen hohen Stellenwert“. Ab diesem Schuljahr sind daher alle Schulen verpflichtet, eine mündliche Prüfung an Stelle einer Klassenarbeit im Fach Englisch am Ende der Sekundarstufe I durchzuführen und innerhalb der ersten drei Halbjahre der Qualifikationsphase eine Klausur durch eine mündliche Prüfung zu ersetzen. Dieser Veränderung des Lehrplans kann die TKS gelassen entgegen sehen, denn wir haben diesen Stellenwert des Mündlichen schon lange gesehen und die erste mündliche Prüfung als Ersatz einer Klausur bereits im Schuljahr 2011/12 im Fach Englisch als Pilotversuch in der Stufe EF durchgeführt. Die Möglichkeit, eine Klassenarbeit oder Klausur einmal pro Schuljahr durch diese Prüfungsform zu ersetzen, hat der Lehrplan nämlich bereits früher eingeräumt. Seitdem sind die Stufen 9 und Q2 hinzugekommen. Im Fach Französisch haben ebenfalls bereits zwei Prüfungsdurchgänge in der EF stattgefunden und auch das Fach Spanisch hat in dieser Stufe bereits geprüft.

In diesem Jahr finden auch hier zusätzlich Prüfungen in der Q2 statt. In allen Fächern setzt sich die Prüfung aus den zwei gleichwertigen Prüfungsteilen „zusammenhängendes Sprechen“ und „an Diskussionen teilnehmen“ zusammen. Die SuS präsentieren im ersten Teil einzeln bestimmte Inhalte, über die dann anschließend miteinander gesprochen wird. Durch die durchgeführten Prüfungen und anschließenden Evaluationen konnten wir bereits viele positive Erfahrungen sammeln, z. B. im Bereich der Materialauswahl und Vorbereitung der SuS auf die mündlichen Prüfungen. Die TKS ist für diese willkommene Veränderung des Lehrplans also bestens gerüstet.

Auch aus Schülersicht wird dieses „neue“ Prüfungsformat positiv gesehen. In schriftlichen Rückmeldungen sowie Gesprächen im Anschluss an die Prüfungen betonten die SuS nämlich häufig den oben beschriebenen „Ferieneffekt“: Sie hätten durch die Prüfung festgestellt, dass sie eigentlich viel mehr – und auch besser – sprechen können als gedacht. Diese neu gewonnene Erkenntnis führt in der Regel auch dazu, dass sich nach Durchführung der mündlichen Prüfungen mehr SuS – und vor allem auch die vorher eher stilleren – an Unterrichtsgesprächen beteiligen, was für Lehrer und Schüler gleichermaßen erfreulich ist. Für zusätzliche Sicherheit und weniger Aufregung in der Prüfung selbst sorgt auch der vorangegangene Unterricht, in dem das freie Sprechen als Vorbereitung auf die Prüfung einen viel höheren Stellenwert einnehmen kann, als es bei der Vorbereitung auf eine schriftliche Leistungsüberprüfung möglich wäre. So gaben auf dem Rückmeldebogen zur mündlichen Prüfung im vergangenen Schuljahr 95% der SuS der Jahrgangsstufe 9 an, im Unterricht gut auf Prüfungsthema und -form vorbereitet worden zu sein. Eine erfreuliche Zahl, die sicher auch darin begründet ist, dass wir uns als Schule bereits so früh mit der Stärkung der Mündlichkeit in den modernen Fremdsprachen auseinandergesetzt haben.

In diesem Sinne: "
Let's keep talking".

 


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