Lernferien 2011

 Erfahrungsbericht Lernferien NRW Osterakademie 2011:
Nie werde ich ihn wohl vergessen, den Augenblick, als ich mit etwas zu groß geratener Reisetasche und zittrigen Knien auf den imposanten Eingang der „Katholischen Akademie -Die Wolfsburg“ zuschritt. Meine Sorgen über die mir bevorstehende Woche  unter dem Titel „Lernferien NRW – Osterakademie 2011“ waren zahlreich. Schon allein der Name klang ja irgendwie abschreckend. Ferien und Lernen? In meinen Augen zwei nur schwierig miteinander vereinbare Komponenten. Mal abgesehen davon, war ich überhaupt geeignet an einem (in dem Brief von der Leitung so attestierten) Programm für Hochbegabung teilzunehmen? Was für Leute erwarteten mich dort? Würde ich gleich mit einigen klassisch besserwisserischen Nickelbrillenträgern einen fachwörtergespickten Diskurs über das Thema der Lernferien "Begabung und Verantwortung" (unter dem ich mir zu allem Übel noch herzlich wenig vorstellen konnte) führen?
Meine Befürchtungen waren groß - die Realität dafür umso harmloser. Schon die ersten anderen Teilnehmer, die ich traf, sahen (was für ein Glück!) vollkommen normal aus, keine Nickelbrillen weit und breit. Stattdessen 23 überaus symphatische Leute, die mit ähnlichen Befürchtungen angereist waren.
Doch was darf man sich denn nun wirklich unter "Lernferien NRW" vorstellen, wenn es schon keine "Nerd"-Teilnehmer sind?
Auf garkeinen Fall eine Woche lang lernen, für alle, die die Schule auch in den Ferien vermissen. Wer sich die Gruppe wie eine große Klasse vorstellt, die Inhalte erarbeitet, um sie den Lehrpersonen am Ende bestmöglich zu präsentieren, der hat weit gefehlt. Auf dem Programm der diesjährigen Osterakademie standen vielmehr Diskussionen zu gesellschaftlich aktuellen Themen, wie z.B. erneuerbare Energien, Schulpolitik, der Nahe Osten oder aber auch dem scheinbaren Konflikt zwischen Natur- und Geisteswissenschaften. Zu jedem der Themen wurden Experten aus Politik, Wirtschaft oder Wissenschaft geladen, die den Teilnehmern Rede und Antwort stehen wollten. Natürlich war nicht jeder von uns gleichstark mit jedem der insgesamt sechs Themen vertraut, was glücklicherweise auch von niemandem verlangt wurde. Angebliche Hochbegabung (ein Begriff mit dem wir uns allesamt nicht wirklich anfreunden konnten) hin oder her, man kann nunmal nicht alles wissen. Mithilfe einer selbstständigen Einteilung in "Expertengruppen" sollte dennoch unsere angemessene Vorbereitung auf die Diskussionen gewährleistet werden. Jede Gruppe erstellte ein Thesenpapier, auf dem die wichtigsten Fakten und Fachwörter eines Themas sowie eine Vielzahl von möglichen Fragen zusammengefasst waren. Unser Fundament für lebhafte Diskussionen war somit gelegt.
Und wir nutzen es. Nicht selten war während der Podiumsdiskussionen ein nervöser Blick der Moderatoren auf die Uhr zu beobachten, gefolgt von einem verzweifelten Seufzer angesichts unserer zahlreichen Wortmeldungen. An Fragen und kritischen Meinungen mangelte es nun wirklich nicht und alles, was in den offiziellen Diskussionen keinen Platz mehr fand, musste so halt später als journalistischer Text in die offizielle Zeitschrift der Lernferien, das „Osterakademie-Journal“ wandern.
 
Am Ende der Woche stellten wir Teilnehmer zu später Stunde in der Zisterne vor allem eines fest:
Unsere anfänglichen Vorstellungen über die Lernferien hatten sich durchgehend als falsch erwiesen. Wir hatten hier tatsächlich Spaß. Die Leute waren allesamt nett und normal. Und uns wurde auch kein unmenschliches Wissen oder Können abverlangt.
Eigentlich hatten wir nur die tolle Gelegenheit bekommen, unseren Horizont ein wenig zu erweitern. Im Prinzip hat das wenig zu tun mit Hochbegabung. Eigentlich vielmehr mit dem Willen, sich auf etwas Neues ein- und sich dafür begeistern zu lassen. Nie werde ich sie wohl vergessen, die Woche, zu der ich mit einem Haufen Ängsten anreiste und mit einem Berg neuer Impulsen und neuen Freunden wieder abfuhr.

 

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